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Schloss Telc

Das Schloss von Telč gehört zu den Perlen der mährischen Renaissancearchitektur. Seine Attraktivität wird noch dadurch erhöht, dass dank des Einfühlungsvermögens der Besitzer in das Erbe der Vergangenheit die ursprünglichen Innenräume sehr gut erhalten geblieben sind. Viele davon sind repräsentative Beispiele des Einflusses der italienischen Kunst auf unserem Staatsgebiet, bzw. ein Beleg ihrer Wandlungen im Gebiet nördlich der Alpen.Die Umwandlung der gotischen Burgruine in den Renaissance-Sitz geschah insbesondere unter der Herrschaft des bereits erwähnten Zacharias von Hradec.

Dieser erhielt als Angehöriger des Hradecer Zweiges der Vítkovs das mährische Anwesen aus der Erbschaft von seinem Vater Adam I. von Hradec. Ein Jahr später, im Jahre 1551, beteiligte sich der neue Herr von Telč an der berühmten Expedition der böhmischen Magnaten ins italienische Genua. Ein zeitgenössischer Bericht bezeichnet ihn sogar als vierten in der Reihenfolge der bedeutsamsten Adligen und berichtet löblich über sein anspruchsvolles Rüstzeug und Gefolge. Zacharias kehrt bereits beeinflusst von der italienischen Renaissance zurück und kurz nach seiner Rückkehr beginnt er, ähnlich wie die anderen Expeditionsbeteiligten, seinen Besitz umzugestalten.

Der Umbau der Burg von Telč fand in zwei Etappen unter Federführung italienischer Meister statt. In einigen Innenräumen des Schlosses sind ältere, sog. Rautegewölbe mit ursprünglicher dekorativer Verzierung erhalten geblieben. Sie stammen vom Steinmetz und Bauherrn Leopold Esterreicher aus dem unweiten Slavonice. Während Zacharias die mährischen Güter erhielt, erbte sein Bruder Joachim die südböhmischen Güter, mit dem Familiensitz Jindřichův Hradec. In beiden Schlössern - sowohl in Telč, als auch in Jindřichův Hradec - waren im Laufe der Zeit die gleichen Architekten und Künstler tätig. Beide Bauwerke stehen sich daher sowohl durch ihre Architektur, als auch durch die Verzierung der erhabenen Innenräume recht nahe.

Der Umbau des Schlosses und die weiteren baulichen Tätigkeiten waren finanziell zweifelsohne außerordentlich anspruchsvoll. Sie wurden von den damals guten wirtschaftlichen Verhältnissen des Gutes in Telč und insbesondere durch die reichen Erträge aus den Silbertagebauen ermöglicht, von denen Zacharias den Großteil als Mitgift von seiner ersten Gattin Katharina von Waldstein bekommen hatte. Die anspruchsvolle Umgestaltung im Renaissancestil im ältesten Teil des Schosses von Telč wurde im Jahre 1553 durchgeführt, als Zacharias von Hradec Katharina von Waldstein ehelichte. An den Portalen, den Fassaden und in den Innenräumen des Schlosses finden wir in üppigem Maße Wappenzeichen des frisch vermählten Paares.

Der majestätischste Innenraum des Schlosses von Telč ist der Goldene Saal, der sich auf der ganzen Breite des gesamten Traktes des neueren Renaissanceplastes erstreckt. Der Renaissancegarten wird von niedrigen Arkadengängen umrahmt. Der Architekt, der dem gesamten Areal die abschließende Form verlieh, war höchstwahrscheinlich Baldassare Maggi von Arogna. Die letzte bauliche Aktivität war die Errichtung der Bestattungskapelle der Allerheiligen (1580).

Der ursprüngliche Zustand der meisten Räumlichkeiten wurde auch von den späteren Besitzern des Schlosses nicht zerstört und somit gehört Telč heute zu den wenig intakt erhalten gebliebenen böhmischen und mährischen Renaissanceschlössern. Das Schloss wurde nie verkauft, sondern wurde von einem Geschlecht zum nächsten vererbt. Zum Beginn des 17. Jahrhunderts gelangte Telč in die Hände der Angehörigen des Geschlechtes Slavata. Eine Angehörige des Geschlechtes der Herren von Hradec – Lucie Otílie heiratete Wilhelm Slavata von Chlum und Koschumberg. An die Periode der Slavatas erinnern im Schloss einige Bilderwerke - insbesondere Porträts. Das bedeutsamste Denkmal bleibt hier jedoch das große Ölgemälde, das den Prager Fenstersturz aus dem Jahre 1618 auf recht individuelle Weise darstellt. Die Bemühung der Slavatas, die Einwohner von Telč zum katholischen Glauben zu bewegen, wird in der Stadt durch den Barockbau der Jesuitenkirche zum Namen Jesu in direkter Schlossnähe belegt. Die weiteren Besitzer des Gutes – die Lichtensteins aus Kastelkorn und die Podstatky von Lichtenstein nahmen am Schloss nur geringere Umgestaltungen vor. Sie widmeten ihre Aufmerksamkeit eher dem Schlosspark, wo sie später ein erhabenes Empire-Gewächshaus errichteten.